Der Blindenführhund
in der gesetzlichen Krankenversicherung
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Heilpraktiker war nur Bademeister
Eintrag ins Branchenbuch lässt Schwindel auffliegen
Rosenheim - Mehr als dreitausend Leute hat ein falscher Heilpraktiker
aus dem Landkreis Rosenheim in den vergangenen acht Jahren behandelt
- und weder Patienten noch Gesundheitsamt oder der Berufsverband haben
etwas bemerkt. Zu Fall brachte den gelernten Bademeister und Masseur
wohl der Übermut: Der 40-Jährige ließ seine Praxis
ins Branchenverzeichnis aufnehmen. Dieses durchforstet das Gesundheitsamt,
das vom Wirken des Mannes bis zu diesem Zeitpunkt nichts ahnte, regelmäßig
auf schwarze Schafe und stieß im Januar 2005 prompt auf den neuen
Eintrag. Beim ersten Kontrollanruf beschimpfte der Bademeister noch
das Gesundheitsamt Rosenheim wegen seiner Schlamperei - die
nötige Urkunde der Prüfung habe er längst abgegeben.
Mit dem Bluff kam er jedoch nicht weit, die Kripo ermittelte schnell,
dass er zwar eine Heilpraktiker-Schule besucht hatte, bei der Prüfung
aber durchgefallen war. Als er bemerkte, dass sein Schwindel aufzufliegen
drohte, erklärte der Bademeister Anfang Februar seiner Frau, nach
Regensburg zu einem Kongress zu fahren. In Wahrheit tauchte er in
einer Pension in Berchtesgaden unter. Von dort meldete er sich bei der
34-Jährigen zwei Mal per Telefon: Einmal kündigte
er an, sich nach Amerika abzusetzen, da man ihm die Lizenz entzogen habe.
Das zweite Mal sprach er von Selbstmord. Bevor er diese Drohung
wahrmachen konnte, spürte ihn die Polizei Anfang März
auf. Bei den Vernehmungen gab er an, dass er die Prüfung ursprünglich
nachholen wollte, doch dazu einfach zu wenig Zeit hatte: Seine im Jahr
1997 eröffnete Praxis lief zu gut. In der Folgezeit beschäftigte
er drei Hospitanten und vier freiberufliche Heilpraktiker. Auf diese
Weise schuf sich der Bademeister laut Polizei ein „stattliches
Vermögen.
Neben einer Anklage wegen Betrugs und Verstoßes gegen das HeilpraktikerGesetz
erwarten ihn deswegen auch unangenehme Fragen der Finanzbehörden.
Seine Patienten halten hingegen zu ihm. Beim Gesundheitsamt Rosenheim
riefen viele Fans an, die den falschen Heilpraktiker ausdrücklich
lobten und um Gnade für den 40-Jährigen baten. heff
Donnerstag, 19. Mai 2005
Bemerkung:
Für jahrzehntelange Verstöße gegen die gesetzlichen Vorschriften
- auch zur Sicherung der Qualifikation von Blindenführhundtrainern – wurde
bisher von den Verantwortlichen der Krankenversicherer niemand zur Verantwortung
gezogen, obwohl blinde Menschen mit einem ungeeigneten Führhund
von einem „falschen Führhundtrainer“ im Straßenverkehr
nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das anderer unbeteiligter Verkehrsteilnehmer
erheblich gefährden.
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